Keinen Gewinner.

Ich wollte das ganze Thema Höwedes und der sich anbahnende Wechsel, die bereits explodierenden Diskussionen abwarten, bis eine Entscheidung offiziell verkündet wurde. Dies war am gestrigen Mittwoch der Fall, doch auch dann fiel es mir schwer, meine Meinung in Worte zu fassen.

Es wurden viele Kommentare abgegeben, in denen die Sichtweise entweder – teilweise sehr aggressiv – schwarz (Wie können Sie nur?) oder eben weiß (Er hat nicht um seinen Platz gekämpft, soll er doch gehen.) war. Wenige Kommentare haben beide Seiten betrachtet (hier, hier und hier), was aus meiner Sicht richtig wäre. In diesem Fall gibt es eben nicht nur schwarz oder weiß.

In den Zeiten in denen überall über die Probleme des Fußballs gesprochen wird, ist Benedikt Höwedes für uns Schalker immer ein Pol der Kontinuität gewesen. Wenn wir ehrlich sind, wäre er immer über jeden Fan-Zweifel erhaben gewesen, unabhängig von seiner Leistung. Er war immer gesetzt, für jeden Trainer, der ihn beim S04 trainiert hatte. Und das waren viele…

Doch in diesem Sommer wurde alles anders. Dabei ist es aktuell nicht geklärt, wer nun am Ende des Tages den Unmut von Benedikt Höwedes hervorgerufen hat. War es allein Tedesco, für den Höewedes mit seinem bisherigen Status nicht in das neue System passte? Oder war es eine Entwicklung, die über den Trainer hinaus geht und die bereits über den Sommer hinaus von diversen Stellen geplant wurde? Aufgrund der Abschiedsworte von Benedikt Höwedes mag man auf Letzteres schließen.

Tedesco aber macht eigentlich, was er machen muss und soll. Er wählt Spieler für die erste 11 aus, die in sein System passen. Dabei nimmt er keine Rücksicht auf Namen. Doch durch die rund um Entwicklung von Benedikt Höwedes und Tedescos unpassende und von den Medien ausgeschlachtete Aussage („Reisende soll man nicht aufhalten“) steht er nun für einen Teil des Schalker Umfeldes als Schuldiger für den Höwedes Abgang dar. Wie gesagt, hier kann man geteilter Meinung sein.

Dieses Thema wird Schalke nun vor sich her schieben und diese Diskussion wird erst verstummen, wenn diese Saison erfolgreich wird. Interessanterweise scheint Christian Heidel in diesem Zusammenhang für die öffentliche Wahrnehmung aus dem Schneider zu sein.

Was zum Schluss bleibt, Höwedes in einem schwarz-weißen Trikot und eine Profi-Mannschaft, die nach zwei Spielen drei Punkte in der Bundesliga geholt hat und sich nun auf das nächste Spiel vorzubereiten hat. Ohne Benedikt Höwedes. Das erste Mal seit mehr als 10 Jahren.

Bene hätte einen anderen Abschied auf Schalke verdient gehabt. Es hätte nicht mit einem Abgang mitten in der Saison, dem Anschein einer übereilten Flucht haben und einem emotionalem Statement voller Seitenhiebe enden dürfen.  Aktuell sehe ich in dieser Entwicklung einfach keinen Gewinner.

Und doch darf man eine Sache nicht vergessen. Benedikt Höwedes ist eine Vereinslegende, aber er ist und war nicht Schalke. Schalke ist und bleibt mehr als seine Spieler. Es wird weiter gehen und der S04 ist um eine traurige und emotionale Entwicklung reicher.

Und doch, und damit belasse ich es: Ich werde Bene vermissen. Alles Gute wünsche ich Dir. Wegen Spielern wie Dir, sind wir hier.

 

3 Kommentare zu „Keinen Gewinner.“

  1. Schöner Kommentar, den ich in großen Teilen teile. Schade ist, dass der Trennung so ein schaler Beigeschmack bleibt. Ich bin sicher, der Wechsel war überhastet. Ich hoffe für Bene, dass er nicht zum Karriereknick wird. Italien ist nicht Deutschland und die Seria A nicht die Bundesliga. Auch hoffe ich, dass die Dissonanzen der Trennung mit der Zeit verblassen. Und vor allem hoffe ich auf eine erfolgreiche Saison unter Tedesco.

    Gefällt mir

  2. Ich möchte mal die Gelegenheit nutzen, meinen Eindruck zur Gesamtsituation auf Schalke darzustellen.
    Was will Clemens Tönnies? Vor einigen Tagen hatte er sich wieder zu Wort gemeldet. Neben ein wenig Prosa
    (Goretzka muss bleiben und Schalke der fünftgrößte Club der Welt) kamen dann auch folgende Aussagen:
    „Wir müssen uns darauf einstellen, in Zukunft mal 40 oder 50 Millionen Euro für einen Spieler zu bezahlen.
    Darauf müssen wir uns wirtschaftlich vorbereiten.“
    Was will CT uns damit sagen, was heißt jetzt wirtschaftlich vorbereiten?
    Die aktuelle Ertragslage und Verschuldung gibt so etwas nicht her. Er legt sogar noch nach:
    „Vorerst ist das Ziel aber, das Gehaltsbudget von 85 Millionen Euro auf 100 Millionen Euro zu erhöhen.“
    Da war ich wirklich platt, nicht mehr sparen, sondern mehr Geld ist jetzt offenbar angesagt!
    Nochmal, woher soll dieses Geld kommen?
    OK die Arena bis 2018 zu bezahlen, dieses Ziel hat man ja schon stillschweigend im Geschäftsbericht beerdigt.
    Trotzdem stehen da immer noch Verbindlichkeiten in Höhe von 195 Millionen Euro.
    Zurück zum hier und jetzt – mir fällt auf das CT nichts zum Höwedes Wechsel sagte. Immerhin war er als
    Kapitän jahrelang der Ansprechpartner für den Aufsichtsratsvorsitzenden. Jetzt also der Umbruch, junger
    Trainer neue Ideen und ein erstes Opfer. Und jetzt spekuliere ich einmal ganz wild:
    Läuft es gut dann ist auch CT als AR Vorsitzender Teil des neuen blau weißen Erfolges.
    Aber wenn es kein gutes Ende nimmt, dann ist er weit genug weg um die Rolle des Retters zu geben.
    Und der Retter wird gleich eine Veränderung am Geschäftsmodell vorschlagen. Denn das viele Geld für
    neue Spieler und höhere Budgets, das kann nur von außen kommen. Die neuen Geldgeber werden …….
    Ab hier verweise ich mal auf unseren letzten Gegner.
    Sicher in meinen Gedanken sind einige Annahmen, aber ein Mann wie CT gibt nicht zufällig ein Interview
    und spricht so konkret über Geld. Das macht er schon mit einer gewissen Absicht.
    Die kommende Saison wird spannend, nicht nur sportlich.

    Gefällt mir

  3. Sehr guter Kommentar! Ich kann beide Seiten verstehen, schade ist es aber trotzdem.

    Nachdem jetzt auch noch Geis weg ist, bin ich wirklich gespannt in welche Richtung die Saison geht. Ohne internationales Geschäft reicht die Anzahl der Spieler vermutlich, allerdings sehe ich nicht alle Positionen gleich gut auch in der Tiefe bzw. Breite besetzt. Allerdings kann es der Mannschaft sicherlich nicht schaden, wenn alle 18 Feldspieler im Kader immer eine realistische Chance haben zur ersten Elf zu gehören bzw. zu spielen. Das kann den gesamten Kader pushen. Und Unruhe wegen Spielern die auf der Tribüne sitzen werden wir sicherlich nicht haben.

    Bleibt nur zu hoffen, dass uns eine ähnliche Verletzungsmisere wie die letzten Saisons dieses Jahr einmal erspart bleibt!

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s